DIE KLAVIERMUSIK DER NOVEMBERGRUPPE

  Musikmachen auf dem Vulkan im Berlin der Zwanziger Jahre

  3. Die Musiker der Novembergruppe



  Jarnach     Eisler     Tiessen     Wolpe     Petyrek     Stuckenschmidt     Vogel     Butting

 

            DIe Musik der Novembergruppe:
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              2. Zur Entsehung
           der Novembergruppe


 

 

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Aus dem Beiheftstext zu "Berlin im Licht: Klavierwerke der Novembergruppe", Verf. Tobias Fasshauer (alle Rechte vorbehalten):

...Auch nach der Konsolidierung der Weimarer Republik war die Novembergruppe eine feste Größe im kulturellen Leben Berlins. Nachdem sie sich im Januar 1922 für Musiker und Schriftsteller geöffnet hatte, formierte sich um Max Butting und Heinz Tiessen eine Musik-, d. h. im Wesentlichen eine Komponistensektion. Ihre relativ jungen Mitglieder repräsentierten ein kaum minder breites Spektrum als die bildenden Künstler der Vereinigung: Aus dem Umfeld Ferruccio Busonis und seiner „Jungen Klassizität“ kamen Philipp Jarnach und die Busoni-Schüler Wladimir Vogel und Kurt Weill; die Schule Arnold Schönbergs war durch Hanns Eisler, diejenige Franz Schrekers durch Jascha Horenstein und Felix Petyrek vertreten; als Komponisten ohne Meisterklassen-Stallgeruch stießen Stefan Wolpe und Hans Heinz Stuckenschmidt zur Novembergruppe. (Horenstein und Stuckenschmidt sollten der Komponistenlaufbahn nicht treu bleiben: Ersterer verlegte sich bald ganz aufs Dirigieren; letzterer, der nicht als „gefürchteter Komponist und viel aufgeführter Kritiker“ enden wollte, kam als Musikschriftsteller zu Ansehen.)

Die Novembergruppe veranstaltete bis 1927 neunzehn Konzertabende, deren Ziel es war, neue „Werke zur Diskussion zu stellen, die anderweitig kaum Aussicht auf Aufführung hatten“ – so Max Butting in seinen Memoiren Musikgeschichte, die ich miterlebte. Kompositionen von Mitgliedern machten dabei einen überraschend kleinen Teil der Programme aus. Die Konzerte wurden durch Kostümbälle finanziert, deren Erlös in der Inflationszeit sofort in Dollar umgetauscht wurde; die Interpreten ließen sich zum Teil mit Bildern honorieren, die von Gruppenmitgliedern gespendet wurden. Die stilistische Spannbreite der Konzertprogramme war sehr groß; sie standen aber bis 1926, als Stuckenschmidt von Butting die Sektionsleitung


übernahm, grob betrachtet im Zeichen eines Expressionismus, der trotz emanzipierter Klangsprache die musikalische Tradition keineswegs verneinte und zum Teil in sich aufzuheben trachtete.

Stuckenschmidt setzte deutlich experimentellere Akzente. Dies zeigte sich insbesondere beim 19. Abend am 2. Mai 1927 mit der Präsentation sogenannter „stehender Musik“, nämlich je einer Klaviersonate von Stuckenschmidt, Wolpe und Hansjörg Dammert: Kompositionen deren räumlich-konstruktivistische Konzeption – das Bauhaus war nicht fern – sich einem Espressivo herkömmlicher Art radikal verweigerte. Von einem Teil des Publikums und der anwesenden Kritiker wurde dieses Konzert nicht ganz zu Unrecht als dadaistisch-futuristische Provokation aufgenommen, und auch Tee und Gebäck, die in der Pause gereicht wurden, konnten den Skandal nicht verhindern....


 

 

                                   

                              

 

                  

 

 
               
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